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Fairer Handel Dieser Text wurde mir freundlicherweise von Jan Spille aus Hamburg zur Verfügung gestellt. Ich hätte es nicht besser zusammenfassen können: Von dem romantischen Bild des Diggers, der mit einem Sieb im Fluss steht und Gold wäscht, müssen wir uns leider verabschieden. Es entspricht nicht mehr der Wirklichkeit! 1. Warum fair gehandelt? Dass bei der Gewinnung, der Verarbeitung und dem Handel von Rohstoffen tagtäglich eine große Menge sozialer und umweltrelevanter Katastrophen stattfinden, ist schon lange kein Geheimnis mehr. In den letzten Jahrzehnten hat sich hierfür in zahlreichen Lebensbereichen ein stetig ansteigendes Bewusstsein entwickelt. In der Schmuckbranche ist dieses Thema relativ neu, was jedoch keineswegs im Verhältnis zu der sozialen und ökologischen Brisanz steht. Schon bei der Gewinnung von Edelmetallen, wie Silber und vor allem Gold, gehören schwere Menschenrechtsverletzungen immer wieder zur gängigen Alltagspraxis. Es herrschen zum Teil unsagbare Arbeitsbedingungen, so werden lächerliche Löhne gezahlt, Menschen müssen an lebensgefährdenden Arbeitsplätzen arbeiten, werden menschenunwürdig behandelt und Kinderarbeit ist an der Tagesordnung (u.a.). Darüber hinaus finden dauerhaft massive Eingriffe in die Ökosysteme statt. So ist es gerade der industrielle Goldbergbau, der mehr giftige Rückstände produziert als alle anderen Bergbausektoren zusammen. Es werden ganze Berge abgetragen, zermahlen und mit hochgiftigem Zyanid versetzt, welches das Gold aus dem Gestein löst. Zurück bleiben öde Mondlandschaften und riesige Rückhaltebecken mit gigantischen Mengen von zyanidhaltigem Schlamm und das überall auf der Welt. Das Zyanid verseucht Gewässer, Wälder und Äcker. Es zerstört beständig die Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren und mitunter bricht auch mal ein Damm. So z.B. bei dem spektakulären Dammbruch am 30 Jan. 2000 in Baia Mare in Rumänien, nach dem weite Teile der Theiß und der Donau für biologisch Tot erklärt werden mussten. Um die Gebiete für derartige Minen im Vorfeld abstecken zu können, wird die Bevölkerung zwangsumgesiedelt und vertrieben, es werden Söldnerarmeen gegen sie eingesetzt und viele verlieren ihre Lebensgrundlage. Über die katastrophalen Zustände im Goldbergbau informiert eine Kampagne des „Zentralverband der Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere“ und die Menschenrechtsorganisation „FIAN“ ( www.fian.de ). Auch bei der Gewinnung von Edelsteinen gehören Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in den Minen zum täglichen Geschäft . Die Edelsteine werden wegen der billigen Arbeitskräfte hauptsächlich in Entwicklungsländern geschliffen, wie z.B. in den Diamantschleifereien in Indien, wo Kinderarbeit keine Seltenheit ist. Eine weitere unrühmliche Tatsache, die in den letzten Jahren vermehrt im Blickfeld der Öffentlichkeit stand, ist der Zusammenhang von Bodenschätzen als Ursache und Katalysator von Kriegen und Konflikten in Afrika. Insbesondere sind hierbei die sogenannten „Blutdiamanten“ bekannt geworden, aber auch Gold und weitere Edelsteine gehören in diese Kategorie. Je nachdem welche Rebellengruppe den Besitz auf eine Mine beanspruchen konnte, konnte sie diese ausbeuten, die Blutdiamanten verkaufen und mit dem Erlös wieder Waffen und Kriegswerkzeug ins Land holen. Die Herrschaft über die Minen zu erlangen wurde so zu einem wesentlichen Konfliktgrund und schürte die Auseinandersetzungen. Die Kriege in Angola und Sierra Leone, sowie im Kongo wurden hierbei als Beispiele der letzten Jahre weltbekannt. In dieser Zeit stammten bis zu 20% der Diamanten im hiesigen Handel vom Schwarzmarkt, das entspricht jedem fünften Diamant in Ringen, Colliers oder Ohrschmuck. Die Hilfsorganisation Medico-international hat mit weiteren Organisationen 1999 das Netzwerk „Fataltransactions“ ins Leben gerufen, um über die politischen Zusammenhänge von Bodenschätzen aus Krisenregionen zu informieren. Und auch Amnesty International hat unter der Kampagne „The true cost of diamonds“ vermehrt zu diesem Thema gearbeitet. www.fataltransactions.org www.medico-international.de www.amnesty.org 2. Was heißt fair gehandelt? Die Käufer eines Schmuckstückes können heute nicht mehr sicher sein, mit ihrem Kauf nicht zu Kinderarbeit, sklavengleichen Arbeitsbedingungen, zu kriegerischen Auseinander-setzungen und Umweltzerstörung beizutragen. Diese Entwicklungen werden, ganz nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage, mit dem Kauf von Produkten aus konventionellem Handel unterstützt. Aber das muss nicht so sein! Durch die Initiative engagierter Menschen gibt es seit 2001 auch die Möglichkeit Material mit anderer Herkunft zu kaufen. Das ist zum Einen möglich geworden durch eine internationale Gruppe um Dipl.- Geol. Thomas Siepelmeyer, der unter dem Markenzeichen „5C“ fair gehandeltes Edelmetall und Edelsteine in den Verkauf bringt (www.faire-edelsteine.de). Sowie zum Anderen durch die Geographin Jutta Werling-Durejka, die in Zusammenarbeit mit der Universität Aachen, ebenfalls fair gehandeltes Edelmetall und Edelsteine anbieten kann (www.aurumrhenanum.com/ www.brazilgems.de). Beide Initiativen verpflichten sich des Fair- Trade- Prinzips. Einer ökologisch- und sozialgerechten Förderung, Verarbeitung und des Handels von Edelmetallen und Edelsteinen, indem Kinderarbeit, Korruption, Kriege und Konflikte, sowie Umweltzerstörung ausgeschlossen werden können. Dagegen werden ökologische Standarts etabliert, sowie menschengerechte Arbeitsbedingungen und Löhne garantiert. Dies wird möglich durch direkt geschlossene Verträge mit den Betreiberinnen einer Reihe von Minen und Edelsteinschleifereien. Auch der Weltschmuckverband "Cibjo" hat einige dieser Entwicklungen erkannt und reagiert mit dem "Kimberley Prozess", sicherlich nicht ganz selbstlos, zumindest auf die Problematik um die Konflikt Diamanten. Wie erfolgreich sich dieser darstellen wird und ob er als Makulator für alle weiteren Probleme der Rohstoffgewinnung für den Schmuckbereich dienen kann, wird sich zeigen. 3. Woher kommt fair gehandeltes Material und wer kontrolliert die Einhaltung des Fair Trade- Prinzips? Gold und Silber unter dem Markenzeichen „5C“ wird von Bergbaukooperativen in Peru, Argentinien und Bolivien gefördert. Die Edelsteine stammen von Bergbaukooperativen und Dorfgemeinschaften aus den afrikanischen Ländern Lesotho, Sierra Leone, Madagaskar und Tansania. Sie werden von zertifizierten Schleiferei-Kooperativen in Indien weiterverarbeitet. Die Edelsteine von Jutta Werling-Durejka in Zusammenarbeit mit der Universität Aachen stammen aus einer brasilianischen Mine im Bundesstaat Minas Gerais. Hierbei handelt es sich um einen Familienbetrieb, in dem die Steine auch geschliffen werden. Weitere Projekte zur nachhaltigen Goldgewinnung stecken noch in der Entwicklung. Sämtliche Betriebe werden streng kontrolliert. Bei „5C“ überwacht ein Monitoring von Fairtrade die Minen und Schleiferein, während die brasilianische Mine von der dortigenUmweltbehörde ( IBAMA ), sowie Vertretern der Universität Aachen überprüft wird. Zudem weisen die Initiativen von Thomas Siepelmeyer und Jutta Werling-Durejka beste Referenzen auf (siehe u.a. Greenpeacemagazin 06/2002 oder durch Veröffentlichungen in der Zeitschrift des Zentralverbandes der dt. Goldschmiede, Silberschmiede. und Juweliere). Für den Nachweis über die Einhaltung des Fair Trade- Prinzip werden bei Materialkauf Zertifikate ausgestellt. Heute ist es möglich, neben Gold und Silber, eine ganze Reihe von Steinen bis in beste Qualitäten fair gehandelt zu erhalten, wie z.B. Diamanten, Rubine, Saphire, Aquamarine, Rhodolithe, Turmaline, Sodalithe, Citrine und Amethyste. 4. Warum ist fair gehandeltes Material nicht teurer als Konventionelles? Durch die direkten Kontakte zu den Minen und durch die Einführung sozial und ökologisch vertretbarer Standarts, steigen im Vergleich zum konventionellen Handel, die Produktionskosten von fair gehandeltem Material. Allerdings werden die zahlreichen Händler und ihre Profite, die das Material von der Mine bis in unseren Handel üblicherweise durchläuft, umgangen. Das hat zur Folge, dass Edelsteine letztendlich wieder weitgehend konventionellen Preisvorstellungen entsprechen können!!! Währenddessen muss man bei fair gehandeltem Gold und Silber mit einem Aufpreis von 15-25% rechnen. Ein Umstand, der z.B. bei Silber und selbst bei wirklich schwerem Schmuck, einen Aufpreis bis maximal 5 Euro selten überschreitet. Hingegen gibt es bei Gold, neben dem fair gehandelten Material, auch immer die Alternative durch wiedergewonnenes oder umlegiertes Gold, mit den Preisen des konventionellen Marktes gleichzuziehen. Hier geht es zur Website von Jan Spille. > nach oben |
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| copyright Daniela Dietel 2009 |